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Donnerstag, 14. Dezember 2000 Über die Besitzerin des Zooladens erfuhr ich, dass ein Chin-Mädel, Standard, ein neues Zuhause suchte. Da in dem neuen Gehege ja genug Platz war und das Chinchilla nicht weit von uns entfernt wohnte, holten wir sie an diesem Tag ab. Die Besitzerin war hatte drei Chins, zwei davon hatte sie aber bereits abgegeben. Warum, versteh ich nicht, da sie bereits viele Jahre lang Chins hatte und sich auch ganz gut mit den Nagern auskannte. Das Mädel, das ich Angel nannte, war ca. 4 Jahre alt, total zutraulich, ein Riesentier im Vergleich zu Nicky und Mary Lou und überhaupt keine Zicke. Etwas zu fett war sie meiner Meinung nach auch. Als sie am 14. Dezember bei uns einzog, versuchte ich auch gleich, sie mit Nicky und Mary Lou zu vergesellschaften. Ich ließ Nicky und Mary Lou im Badezimmer laufen und stellte die Transportbox mit Angel drin hinein. Ca. 1/2 Stunde ließ ich ihnen Zeit, sich durchs Gitter zu beschnuppern und kennenzulernen. Angel hat sich voll über die zwei Mädel gefreut und leise gefiept. Da keine der Drei fauchte, nahm ich Angel aus der Transportbox und setzte sie auf meinen Schoß. Nicky sprang auch sofort auf meinen Schoß und zeigte keinerlei aggressives Verhalten gegenüber der Neuen. Auch als ich die drei dann zusammen laufen ließ, verstanden sie sich prächtig.
(Bild oben: Mary Lou, Bild unten: erstes Zusammentreffen zwischen Nicky, Angel und Mary Lou) Anschließend setzte ich auch gleich alle Drei ins Gehege und beobachtete sie eine Weile. Nicky und Mary Lou schien es nicht zu stören, dass da plötzlich ein neuer Chin in ihrem Revier war.
Freitag, 15. Dezember 2000 Leider hielt die Idylle nicht lange an. Am nächsten Tag war das Gehege voll mit Fell von Angel, das arme Mädel hatte einige Bisswunden (aber gottseidank keine tiefen). Ich vermute, dass ich dran Schuld war, dass Nicky und Mary Lou die Neue so zugerichtet hatten, weil ich ihnen die Pellets in nur einem kleinen Napf gab. Als Angel auch etwas fressen wollte, sind die beiden anderen wahrscheinlich auf sie losgegangen... Ich ließ die Drei nochmal zusammen im Bad laufen, um zu sehen, wie sie jetzt aufeinander reagieren. Verständlicherweise stellte sich Angel fauchend auf die Hinterbeinchen, sobald ihr die beiden anderen zu Nahe kamen. Sie hatte Angst vor ihnen. Nicky und Mary Lou taten so, als wäre nichts gewesen. Damit sich Angel erholen konnte, setzte ich sie erstmal allein in einen Stall. Ein paar Tage später - das genaue Datum weiß ich leider nicht mehr - hat meine Mama, während ich nicht zuhause war - Angel nochmal zu den zwei Mädels ins Gehege gesetzt. Und siehe da - aufeinmal akzeptierten Nicky und Mary Lou die Neue und von da an gab es keine Probleme mehr zwischen den Dreien. Das beweist mal wieder, was für komische Tiere Chins manchmal sind ;-)) Angel war ein ziemlich tollpatschiger Chin und es dauerte lange, bis sie sich auf die oberen Sitzbretter traute. Aber nach einigen Wochen war sie schon fast so geschickt wie Nicky und Mary Lou.
Als ich Nicky an diesem Tag am Abend aus dem Gehege nahm, merkte ich, dass ihr Bauch auffällig dick war. Mein erster Gedanke war, dass sie schwanger war, was bedeuten würde, dass Angel ein Junge ist. Von Geschlechtsbestimmung hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht viel Ahnung, also brachte es auch nichts, als ich mir Angel mal von unten anguckte. Dann fiel mir noch auf, dass so viele zu kleine Köttel im Gehege herumlagen. Ich fragte im Internet nach und bekam den Tipp, dass das Mädel sicher schwanger war, wenn sie schwerer geworden war. Hatte sie aber einen Blähbauch, bedeutete das, dass sie eine Verstopfung hatte. Und ein weiteres Anzeichen für Verstopfung war, dass die Köttel wesentlich kleiner als normal waren.
Samstag, 20. Januar 2001 Der Tierarzt bestätigte den Verdacht, dass Nicky eine Verstopfung hatte. Er gab mir ein Mittel, das ich ihr alle zwei Stunden geben sollte und sagte, dass ich ihr ein paar Tage lang keine Pellets füttern darf.
Sonntag, 21. Januar 2001 Das Mittel vom Tierarzt half - Nickys Bauch war am Sonntag nicht mehr gebläht :-)) In der Kloecke meiner Chins war ein Teil der Einstreu total aufgequollen, da hatte Nicky den Inhalt ihres geblähten Bauches entleert. Warum sie die Verstopfung bekommen hatte, weiß ich nicht. Jedenfalls hab ich meinen Mädels von da an ein bisserl weniger Pellets und mehr Heu gegeben. Laut unserem Tierarzt kann man Chins übrigens auch nur mit Heu ernähren.
Dienstag, 27. März 2001 Mein Geburtstag und bis zum Abend war es auch ein schöner Tag. Als ich aber meine Chins füttern ging, fand ich Angel auf dem Boden liegend. Sie konnte sich nur mühsam dahinschleppen. Ich vermutete, dass sie sich ein Hinterbeinchen gebrochen hatte und war total verzweifelt. Sicher war sie von einem der Sitzbretter heruntergefallen. Etwas tollpatschig war sie ja schon immer gewesen. Damit sie sich nicht mehr soviel bewegen konnte, setzte ich sie über Nacht in die Transportbox. Natürlich beschlossen wir, nächsten Tag mit ihr zum Tierarzt zu fahren.
Mittwoch, 28. März 2001 Ich werde nie den Anblick vergessen, als ich Angel das letzte Mal lebend sah. Sie lag so hilflos dort. Meine Hoffnung, der Tierarzt könnte ihr helfen, war fast nicht mehr vorhanden, denn allmählich begriff ich, dass sie nicht nur ein Beinchen, sondern das ganze Hinterteil nachschleppte. Nur mit Hilfe der Vorderbeinchen konnte sie sich bewegen. Da ich für einen Physik-Test lernen musste, fuhr meine Mama alleine mit Angel zum Tierarzt. Aber aus dem Lernen wurde natürlich nichts, weil ich die ganze Zeit um meine Angel weinte. Der Tierarzt stellte fest, dass sich Angel das Rückgrad gebrochen hatte. Mensch, wenn ich das gewusst hätte, wären wir noch am Abend, als ich sie so gefunden hab, zum Tierarzt gefahren... Nachdem der Tierarzt Angel erlöst hatte, nahm meine Mama sie mit nach Hause. Sie sah noch so lebendig aus, als würde sie schlafen. Ich hab sie in unserem Garten neben unseren anderen verstorbenen Lieblingen begraben und auch sie wird für immer in meinem Herzen bleiben. Auf den Physik-Test hab ich geschissen - sprich ich bin die folgenden zwei Tage nicht in die Schule gegangen, um ihn nicht schreiben zu müssen, da ohnehin nicht gescheites dabei rausgekommen wäre. Wie unwichtig einem solche Dinge wie Schule doch angesichts eines so traurigen Ereignisses erscheinen. Aus Angst, es könnte sich nocheinmal ein Chin im Gehege verletzen, machte mein Papa noch zusätzliche Sitzbretter rein, damit es nicht mehr so leicht möglich war, dass ein Tierchen von oben bis ganz unten fällt. Aber 100%ig schützen kann man sie wohl nie vor einem Unfall, denn im Endeffekt kann man weder Mensch noch Tier vor dem Schicksal bewahren.
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