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4. August - 7. August 2001

 

Samstag, 4. August 2001

Da ich keinen weiter Nachwuchs mehr wollte, überlegte ich lange, ob ich Romeo kastrieren lassen oder versuchen sollte, ihn mit einem jungen Böckchen zu vergesellschaften. Schließlich entschied ich mich für letzteres. Und diesmal fand ich in der Zeitung ein Chin mit meiner Traumfarbe - weiß. Die Hobbyzüchterin wohnte in meiner Nähe und klang am Telefon sehr nett.

Eine Woche nachdem ich das Inserat entdeckt hatte, machten wir uns auch schon auf den Weg, um Romeos neuen Freund zu holen. Ungeduldig wartete ich auf den Tag, an dem der Neue einziehen sollte, ich freute mich riesig drauf. Er war der teuerste meiner bisherigen Chins und ich wollte ihn von meinem ersten selbstverdienten Geld bezahlen (ich machte zur Zeit Ferialpraktikum). 

Bei der Züchterin angekommen, war ich von ihr nicht mehr so begeistert - sie hielt ihre Tiere in zu kleinen Käfigen und fütterte sie mit Popcorn und anderen ungesunden Leckerlis. Da sie ihre Tiere schon einige Jahre hatte, war sie auch davon überzeugt, sie nicht falsch zu ernähren, denn sonst müssten sie ihrer Meinung nach schon krank sein. Außerdem hatten ihre Chins ein hässliches Fell, weil sie ihnen Vogelsand statt Chinchillasand gab... Ich schwor mir, kein weiteres Mal ein Tier von ihr zu kaufen. Den Weißen - von mir Atréju genannt - nahm ich aber natürlich mit. Genau nennt man seine wunderschöne Fellfarbe Silberschecke; er war drei Monate alt.

Zuhause angekommen nahm ich Romeo aus dem Käfig. Es tat ein bisserl weh, ihn von seiner Juliet, mit der er sich immer so super verstanden hatte, und seiner kleinen Tochter Bandit, trennen zu müssen...

Ich nahm Romeo und Atréju gemeinsam auf den Arm. Und da keiner der beiden schimpfte oder nach dem anderen schnappte, ließ ich sie im Badezimmer gemeinsam laufen. Auch hier gab es keine Probleme. Die beiden beschnupperten sich aber nicht recht ausgiebig, sondern ignorierten sich eher. Nach einer Weile setzte ich sie in das neue Gehege, das mein Papa - Zitat Anfang. "Das ist aber jetzt 100%ig das letzte Gehege, das ich dir mache, dann darfst du keine solchen Viecher mehr nach Hause schleppen!" Zitat Ende *grins* - gebastelt hatte. Ich freute mich sehr, als Romeo und Atréju ihr neues Heim neugierig erforschten. Und als sie dann gemeinsam im Sandband saßen und sich übermütig wälzten (das tat Atréju's vom Vogelsand versauten Fell besonders gut) war ich mir sicher, dass die beiden Freundschaft geschlossen hatten.

Dem war leider nicht so. Abends, eine Weile nach der Fütterung hab ich die Zwei nochmal besucht. Im Gehege lagen ein paar Büschel Haare von Atréju herum und sobald Romeo in seine Nähe kam, rannte er immer davon. Ich hoffte, dass die beiden nur spielten und nichts ernstes vorgefallen war und ließ sie daher noch beisammen. Da mir die Sache aber keine Ruhe ließ, schaute ich am gleichen Abend nochmal nach ihnen. Nun hing der arme Atréju verzweifelt und aus Angst vor Romeo am Gitter, sein Mäulchen blutete... Romeo hatte ihn dort gebissen.  Ich nahm ihn sofort raus und setzte ihn über Nacht in einen Vogelkäfig. Meine Freude über die scheinbar gelungene Vergesellschaftung war mit einem Schlag weggeblasen worden. 

 

Sonntag, 4. August 2001

Am Morgen rieb ich die beiden Jungs mit etwas Parfum ein, damit sie einen ähnlichen Geruch annahmen. Dann ließ ich sie zusammen im Badezimmer laufen. Die Folge: Atréju kauerte sich in eine Ecke und sobald Romeo in seine Nähe kam, begann er mit den Zähnen zu klappern, schimpfte, stellte sich auf und pinkelte. Eigentlich logisch, denn der Kleine fürchtete sich jetzt natürlich vor Romeo. Romeo versuchte immer wieder, in Atréjus Nähe zu gelangen, hatte aber dann doch Respekt vor dessen Drohgebärden. Sobald sich Atréju aus seiner Ecke traute, jagte ihn Romeo wieder zurück. Die Sache erschien mir ziemlich hoffnungslos.

Ich setzte Romeo in einen kleinen Käfig, den ich ins Gehege stellte. Atréju setzte ich ins Gehege. Ich hoffte,  Atréju würde wieder Vertrauen zu Romeo gewinnen, da dieser ihn jetzt nicht mehr jagen konnte...

 

Dienstag, 7. August 2001

Um zu prüfen, ob sich das Verhältnis zwischen Romeo und Atréju gebessert hatte, setzte ich die beiden in die Transportbox. Dann ging ich draußen im Garten ein paar Runden mit den beiden und hoffte, dass sie aufgrund der fremden Umgebung und ungewohnten Geräusche keine Zeit zum Streiten haben würden. Außerdem war die Transportbox zu klein zum Jagen. Die beiden saßen friedlich beisammen, als ob nix gewesen wäre. Ich ging wieder ins Haus mit ihnen, ließ sie aber noch ein paar Stunden in der Transportbox sitzen. Einmal bestieg Romeo den Atréju kurz, aber keiner der beiden schimpfte oder ging auf den anderen los. Als ich ihnen ein Schüsserl mit Pellets reinstellte, machte sich Romeo sofort übers Futter her, Atréju traute sich nicht ganz ran. Trotzdem glaubte ich, dass es zwischen den beiden jetzt doch klappte und setzte sie ins Gehege. Und da hatte ich die Scheiße wieder: Romeo begann sofort, den Kleinen durch die Gegend zu jagen. Er biss ihn nicht, jagte ihn nur die Sitzbretter rauf und wieder runter und Atréju kriegte Panik. Eine ähnliche Szene dürfte sich auch abgespielt haben, bevor ich Atréju am Samstag ängstlich am Gitter hängend gefunden hatte... Aus Angst, einer der beiden stürzt bei der wilden Jagerei von einem Sitzbrett, verbannte ich Romeo wieder in den kleinen Käfig. Ich begriff, dass die Sache ausweglos war. Egal, wie lange ich sie in der Transportbox ließ, im Gehege würde Romeo Atréju immer wieder herumhetzen... Deprimiert setzte ich Romeo wieder in den kleinen Käfig. Ich hatte die Nase voll und beschloss, Romeo nun doch kastrieren zu lassen.