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Die Pelz-Geschichte - Von der Verwendung von Tierfellen als lebensnotwendigen Schutz vor Kälte bis hin
zum Töten von Tieren zur Gewinnung reiner Luxusartikel.
Steinzeit - Mittelalter | Neuzeit - 1895 | 1900 - 2003
| Steinzeit |
Es herrscht ein fast tropisches Klima und üppige Vegetation in den Urwäldern, die von Elefanten, Nilpferden, Nashörnern, Pferden, Hirschen etc. bevölkert werden. Ein aus Feuerstein zugehauener Faustkeil dient den Menschen zu vielen Zwecken, so auch zum Säubern der Felle, die sie durch durch die Jagd gewinnen. Nachdem er das Fell von Fleischresten befreit hat, bearbeitet er es mit Wasser und Sand. Das Leder wird im Rauch des Feuers konserviert. Da das Klima sehr warm ist, werden wenig Felle zur Kleidung, sondern mehr zum Polstern der Lagerstätten verwendet.
Es folgen Jahrtausende mit kälteren Temperaturen. Der Mensch ist auf warme Körperbedeckung angewiesen und verwendet dazu die Felle seiner erbeuteten Tiere.
Nach der Eiszeit folgen allmählich wieder Zeiten mit milderem Klima, die Steppe wird vorherrschend und das Renntier breitet sich in Europa aus. Das weiche Fell des Renntiers und besonders das der jungen Tiere wird zur Anfertigung von Pelzbekleidung verwendet. |
| Jüngere Steinzeit (ab ca. 4000 v.Chr.) |
Das Klima nähert sich allmählich unserem heutigen. Die Jäger- und Nomadenvölker erlernen nach und nach den Ackerbau und die Zucht und Pflege von Haustieren. Durch den Ackerbau gewinnt der Mensch Flachs, durch die Schafzucht Wolle, und die Kunst des Flechtens, Spinnens und Webens entsteht in dieser Zeit. Die Menschen in dem gemäßigten Klima Mitteleuropas sind nicht mehr nur auf Pelze angewiesen, ihre Bekleidung besteht jetzt aus selbstgewebten Stoffen. Zum erstenmal wird der Pelz aus seiner monopolartigen Stellung verdrängt. |
| Griechen |
Viel früher als bei unseren Vorfahren in Mitteleuropa entwickeln sich Handwerk und Gewerbe bei den Griechen. Die ursprünglich vorwiegende Pelzkleidung ist schon längst der Woll- und Leinenbekleidung gewichen. Nur die ärmere Bevölkerung (Hirten, Jäger, Krieger und Sklaven) behält die Pelzbekleidung noch lange bei, vor allem auf dem Land. Da aber die griechischen Helden und Götter oft mit Fellen bekleidet dargestellt werden, ist anzunehmen, dass Pelzbekleidung auch von Reichen und Vornehmen getragen wird. So wird Herkules fast immer mit einem Löwenfell bekleidet dargestellt. Auch Homer, der Dichter der Odysse und der Ilias, schildert, wie die Helden sich mit Fellen bekleiden.
Seit dem 8. Jh. vor der Zeitenwende haben sich auf der griechischen Halbinsel Einzelstaaten mit reicher Kultur entwickelt. Mit der Spezialisierung der einzelnen Gewerbe treten für die Handwerker auch besondere Namen auf, unter diesen die Pelz- und Fellhändler und Pelznäher. Da die griechische Flotte schon früh ganz Europa umschifft, bringen sie aus den nordischen Ländern wertvolle Pelze mit. Diese werden in Griechenland zugerichtet und gefärbt und größtenteils nach anderen Ländern verkauft. |
| Römer |
Als die Römer kurz vor Christi Geburt die Länder um das Mittelmeer herum an sich reißen, übernehmen sie die Kultur- und Wirtschaftsformen den Griechen. So finden wir den griechischen Handel und die gewerblichen Großbetriebe in Rom wieder. Als Decken und Teppiche sind Pelze seit jeher geschätzt worden, aber Pelzbekleidung hat eines römischen Bürgers als unwürdig gegolten. Sie ist als Kleidung der Barbaren angesehen worden. Erst nach der Eroberung Galliens durch Cäsar, als die Römer regelmäßige Feldzüge in das Innere Germaniens unternehmen, werden sie durch das rauhe Klima gezwungen, Pelze zu tragen. Bald finden sie Gefallen an den Pelzen des Nordens und verwenden sie nicht nur als Schutz gegen Kälte, sonder auch als Schmuck. Fest steht, dass 56 n.Chr. eine römische Kürschnerinnung in Ostia, der Hafenstadt Roms, ein Versammlungshaus besaß. |
| Germanen |
Tacitus berichtet, dass sie in der kalten Jahreszeit Mäntel aus Fellen getragen haben, den so genannten Rheno. Es handelt sich dabei um ein langes Rechteck, das den Körper vorn und im Rücken bedeckt. Auf der Achsel wird es durch einen Verschluss zusammengehalten. Ihr Holzschilde sind mit Fell oder Leder überzogen. Teilweise werden Schuhe aus Leder oder Pelz getragen. In der Schlacht tragen sie oft die Kopfhaut des Auerochsen, des Bären oder Wolfes. Allmählich sondert sich ein Stamm von Adeligen und Vornehmen ab, der sich bemüht, sich durch besondere Kleidung äußerlich kenntlich zu machen. Adel und Fürsten tragen nur die schönsten und seltensten Felle, wie Feh, Zobel und Hermelin, die sie aus dem hohen Norden und aus den fernen Ländern des Ostens einhandelten. |
| ab 800 n.Chr. (Zeit von Karl dem Großen) |
Ein lebhafter Handel vermittelt in jenen Jahren den Austausch der Erzeugnisse der südlichen Länder mit dem Norden. Pelze spielen dabei eine Hauptrolle. Zu den gebräuchlichsten Gegenständen zählen Mäntel, Pelzröcke, pelzgefütterte und Pelzhandschuhe, sowie Muffe für Männer und Frauen. Zur Zeit Karls des Großen verwendet man hauptsächlich Marder, Otter, Biber, Katzen, Siebenschläfer, Feh und Hermelin. Es wird ein solcher Luxus getrieben, dass versucht wird, diesen durch Verordnungen einzudämmen und Höchstpreise vorzuschreiben. Der ganze Hofstaat des Königs ist mit kostbaren Pelzen bekleidet, nur der König selbst verachtet diesen Luxus und trägt die einfache germanische Tracht aus Schafspelz. |
| Mittelalter |
Außer den einheimischen Fellen wie Marder, Otter, Biber, Fuchs, Wolf, Luchs, Katze, Bär und Schaf wird besonder Feh, Hermelin und Zobel als begehrtes Pelzfutter und Besatz bevorzugt. Die Edelpelze Feh, Hermelin und Zobel werden aus dem Norden und Osten eingeführt, sind sehr kostbar und dürfen nur von Fürsten und Adeligen getragen werden. Im Osten tragen die Fürsten die Krone mit Zobel geschmückt. Feh, das Winterfell des nordischen Eichhörnchens, sowie das rote Eichhörnchenfell (das Eichhörnchen belebt unsere Urwälder zu dem Zeitpunkt noch zahlreicher) nimmt eine besondere Stellung in der Kürschnerei ein. Es wird so weitgehend verarbeitet, dass im Mittelalter oftmals unter Pelzwerk nur Feh zu verstehen ist. |
Quellen: Die Geschichte des Kürschnerhandwerks (Paul Kunze)
Das Pelztierbuch (Ulf D. Wenzel)
Pelztierzucht - Das sinnlose Sterben (Edmund Haferbeck)
Diverse Artikel aus Zeitschriften etc.
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