Rieger-Pelze meldet Insolvenz an

München - Dem einstigen Renommier-Geschäft droht die Zahlungsunfähigkeit – Es wird bereits international zum Kauf angeboten.

Rieger-Pelze – dieser Name stand einmal für eines der größten Pelzgeschäfte Europas. Der Handel mit teuren Fellen am Isartor florierte, und wer etwas auf sich hielt, kleidete sich hier ein und ließ auch viel Geld in dem Laden. Das aber ist nun Vergangenheit. Der Pelzverkäufer Bernhard Rieger, Sohn des Unternehmensgründers Hertz Rieger, hat Insolvenz angemeldet. Er macht die Wirtschaftskrise für die Umsatzeinbrüche und die drohende Zahlungsunfähigkeit verantwortlich. Der Umsatz des Pelzhauses sei in den letzten Jahren rapide von drei auf zwei Millionen Euro runtergegangen, hat der vorläufige Insolvenzverwalter Rolf G. Pohlmann ermittelt. Ob dies nur an der Wirtschaftskrise gelegen hat, bezweifelt er. Seine These ist eine andere: Rieger sei es zuletzt wohl nicht mehr im erforderlichen Maße gelungen, „sich auch einer jüngeren, modisch interessierten Kundschaft zu präsentieren“, sagte Pohlmann der tz. „ „Den bekannten und traditionsreichen Namen“ bietet er bereits bei potenziellen Investoren in München, aber auch bundesweit sowie in Österreich und der Schweiz an. 50 Exposés hat er schon verschickt. „Die Sanierungsaussichten sind positiv“, schätzt Pohlmann. Er kann sich als Käufer ein Sporthaus wie Scheck oder Schuster vorstellen – oder Geschäfte im Luxussegment. Anfang der 90er-Jahre hätte wohl niemand damit gerechnet, dass es mit dem einstigen Renommiergeschäft so bergab gehen könnte. Mit dem Bau der Rieger-City am Isartor war für Firmengründer Hertz Rieger ein Traum in Erfüllung gegangen. 13 000 der insgesamt 25 800 Quadratmeter des Gebäudekomplexes nahm allein sein Geschäft ein. Zuvor hatte sich Rieger schon in den 60er-Jahren in Grünwald ein aufsehenerregendes Domizil errichten lassen. Doch offenbar hatte sich der Firmengründer mit allem wohl finanziell übernommen. Nach seinem Tod im Oktober 2001 sollen seine Nachkommen das Erbe ausgeschlagen haben. Zu groß sei das Risiko angesichts der erdrückenden Schuldenlast gewesen, wird Sohn Bernhard in einem Pressebericht zitiert. Rieger junior hatte das Unternehmen des Vaters nach dessen Rückzug bereits 1999 in Form einer GmbH übernommen. Bis 2007 blieb er in der Rieger-City am Isartor, dann zog er in die Residenzstraße um. Ein Standort, den Insolvenzverwalter Pohlmann nicht ganz optimal findet, weil Interessierte erst ein nicht besetztes Foyer im Erdgeschoss überwinden müssten. Dennoch glaubt Pohlmann, dass eine Art Pelz-Rennaissance möglich ist. „Es gibt ja nicht nur die Pelzmäntel der älteren Generation, sondern auch gefütterte Edelparkas, Mützen oder Kragen.“ Zumindest hat der Insolvenzverwalter erreicht, dass Verkaufserlöse nicht sofort an die Bank gehen, sondern „vorläufige Insolvenzmasse“ zur Sanierung verwendet werden kann. Bis Winterende will Pohlmann einen Interessenten gefunden haben. Wenn Bernhard Rieger Glück hat, wird ihn der herbeigewünschte Investor als Geschäftsführer einstellen. Der Riegerblock am Isartor wartet unterdessen auf neue Nutzer: 2011 will der Outdoor-Spezialist Globetrotter einziehen.

Artikel vom 2010-01-15, Quelle: merkur-online.de

       

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